
- Die vier Säulen des Gesetzes
- Grossspiele, Kleinspiele und Spielbankenspiele
- Die Aufsichtsbehörden und ihre Aufgaben
- Die DNS-Sperren und ihre Wirksamkeit
- Spieler bleiben straffrei
- Die Rolle der Kantone
- Kritik und Reformbedarf
- Was das Gesetz für Sportwettenfans bedeutet
- Internationale Einordnung und Vergleich
- Die Zukunft des Geldspielgesetzes
- Praktische Konsequenzen verstehen
Am 10. Juni 2018 entschied das Schweizer Stimmvolk mit einer deutlichen Mehrheit von 72,9 Prozent über ein Gesetz, das die Glücksspiellandschaft des Landes grundlegend verändern sollte. Das Bundesgesetz über Geldspiele, kurz Geldspielgesetz oder BGS genannt, trat zum 1. Januar 2019 in Kraft und löste damit sowohl das alte Spielbankengesetz von 1998 als auch das noch ältere Lotteriegesetz von 1923 ab. Was auf den ersten Blick wie eine technische Rechtsanpassung erscheint, hat weitreichende Konsequenzen für alle, die in der Schweiz auf Sport wetten möchten, sei es gelegentlich oder regelmässig.
Die Entstehung dieses Gesetzes war alles andere als ein Spaziergang durch die politische Landschaft. Bereits 2012 hatte das Schweizer Volk mit beeindruckenden 87 Prozent Zustimmung einen neuen Verfassungsartikel angenommen, der dem Bund die Kompetenz zur Regelung des Geldspielwesens übertrug. Dieser Artikel 106 der Bundesverfassung bildet das Fundament, auf dem das gesamte Geldspielgesetz ruht. Nach jahrelangen Beratungen, kontroversen Debatten und einer Einigungskonferenz zwischen National- und Ständerat verabschiedete das Parlament das Gesetz schliesslich im September 2017. Die Jungparteien mehrerer politischer Lager ergriffen daraufhin das Referendum, hauptsächlich wegen der umstrittenen Netzsperren für ausländische Anbieter. Doch das Volk sprach sich deutlich für das Gesetz aus.
Die Schweiz wählte mit diesem Gesetz einen Weg, der sich fundamental von dem unterscheidet, was die meisten europäischen Nachbarländer praktizieren. Während etwa Deutschland 2021 seinen Markt für private Sportwettenanbieter öffnete und dutzende Lizenzen vergab, hält die Schweiz an einem stark regulierten Modell fest, das den Markt für Online-Sportwetten im Wesentlichen zwei interkantonalen Lotteriegesellschaften vorbehält. Diese Entscheidung war bewusst getroffen worden und spiegelt die schweizerische Haltung wider, dass Geldspiele zwar erlaubt sein sollen, aber unter strenger staatlicher Kontrolle und zum Wohle der Allgemeinheit.
Die vier Säulen des Gesetzes
Das Geldspielgesetz verfolgt vier klar definierte Ziele, die der Gesetzgeber explizit im Gesetzestext verankert hat. Diese Ziele bilden das Gerüst, auf dem alle weiteren Regelungen aufbauen, und sie erklären auch, warum bestimmte Massnahmen getroffen wurden, die auf den ersten Blick restriktiv erscheinen mögen.

Das erste und vielleicht wichtigste Ziel ist der Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren, die von Geldspielen ausgehen. Der Gesetzgeber hatte dabei insbesondere die Prävention von Spielsucht im Blick, ein Problem, das in der Schweiz durchaus ernst genommen wird. Studien zeigen, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung ein problematisches Spielverhalten aufweisen, und für diese Menschen kann Glücksspiel verheerende Folgen haben. Das Gesetz verpflichtet deshalb alle Anbieter, Sozialschutzkonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Spielbanken und Online-Anbieter müssen spielsüchtige Personen identifizieren und sperren, und die Kantone sind verpflichtet, Präventions- und Beratungsangebote bereitzustellen.
Das zweite Ziel betrifft die sichere und transparente Durchführung von Geldspielen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Glücksspiele anfällig sind für Manipulation, Betrug und Geldwäscherei. Indem der Staat genau kontrolliert, wer Geldspiele anbieten darf und unter welchen Bedingungen, soll sichergestellt werden, dass die Spiele fair ablaufen und dass keine kriminellen Machenschaften im Hintergrund stattfinden. Die Anbieter unterliegen strengen Auflagen und regelmässigen Kontrollen, und wer gegen die Regeln verstösst, riskiert empfindliche Strafen.
Das dritte Ziel ist die Verwendung der Reingewinne aus Lotterien und Sportwetten für gemeinnützige Zwecke. In der Schweiz fliesst der Grossteil dessen, was die Lotteriegesellschaften erwirtschaften, nicht in private Taschen, sondern kommt der Allgemeinheit zugute. Sport, Kultur, Soziales und Umweltprojekte profitieren Jahr für Jahr von Hunderten Millionen Franken, die aus dem Geldspielsektor stammen. Im Jahr 2024 belief sich der Umsatz bei den Grossspielen auf knapp vier Milliarden Franken, und ein erheblicher Teil davon wurde an gemeinnützige Organisationen und Projekte verteilt. Diese Zweckbindung der Erträge ist ein Kernmerkmal des schweizerischen Modells und unterscheidet es von vielen anderen Ländern, in denen private Anbieter den Grossteil der Gewinne behalten.
Das vierte Ziel schliesslich betrifft die Verwendung der Bruttospielerträge aus Spielbanken für die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. Die Casinos zahlen Abgaben, die direkt in die Sozialversicherungen fliessen und damit allen Schweizerinnen und Schweizern zugutekommen. Insgesamt trägt der Geldspielsektor jährlich rund eine Milliarde Franken zum Gemeinwohl bei, eine beachtliche Summe, die den Staat entlastet und gesellschaftlich nützliche Projekte ermöglicht.
Grossspiele, Kleinspiele und Spielbankenspiele
Das Geldspielgesetz führt eine klare Kategorisierung ein, die für das Verständnis der Regulierung entscheidend ist. Es unterscheidet zwischen drei Hauptkategorien von Geldspielen, für die jeweils unterschiedliche Regeln und Zuständigkeiten gelten. Diese Unterscheidung ist nicht willkürlich, sondern folgt einer Logik, die sich am Gefährdungspotenzial und an der Reichweite der jeweiligen Spiele orientiert.

Spielbankenspiele sind klassische Casinospiele wie Roulette, Black Jack oder Poker. Sie dürfen ausschliesslich in konzessionierten Spielbanken angeboten werden und stehen unter der Aufsicht der Eidgenössischen Spielbankenkommission, kurz ESBK. Seit 2019 können Spielbanken ihre Spiele unter bestimmten Voraussetzungen auch online anbieten, wofür sie eine entsprechende Erweiterung ihrer Konzession benötigen. Derzeit verfügen zehn der zwanzig terrestrischen Casinos in der Schweiz über eine solche Online-Konzession. Der Zugang zu diesen Spielen ist streng reguliert, und die Altersgrenze liegt bei 18 Jahren.
Grossspiele umfassen Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele, wenn sie automatisiert, interkantonal oder online durchgeführt werden. Für diese Kategorie ist die interkantonale Geldspielaufsicht, kurz Gespa, zuständig. In der Praxis bedeutet das, dass Sportwetten im Internet oder über Apps als Grossspiele gelten und einer entsprechenden Bewilligung der Gespa bedürften. Diese Bewilligung haben in der Schweiz derzeit nur zwei Anbieter: Swisslos mit ihrem Sporttip-Angebot für die Deutschschweiz und das Tessin sowie die Loterie Romande mit Jouez Sport für die französischsprachigen Kantone.
Kleinspiele schliesslich sind Geldspiele mit geringerem Gefährdungspotenzial und lokaler Reichweite. Dazu gehören etwa kleine Pokerturniere ausserhalb von Spielbanken, lokale Sportwetten oder Tombolas. Für diese Spiele sind die Kantone zuständig, und die Bewilligungsvoraussetzungen sind weniger streng. Ein kleines Pokerturnier im Vereinslokal ist also möglich, solange bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden, etwa ein maximales Startgeld von 200 Franken pro Spieler und eine Gesamtsumme der Startgelder von höchstens 20000 Franken.
Die Aufsichtsbehörden und ihre Aufgaben
Das komplexe System der Geldspielregulierung erfordert mehrere Behörden, die unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen und in verschiedenen Bereichen tätig sind. Die wichtigsten sind die Eidgenössische Spielbankenkommission und die interkantonale Geldspielaufsicht, dazu kommt das Bundesamt für Justiz als Oberaufsicht.
Die ESBK ist für die Spielbanken zuständig. Sie erteilt die Konzessionen, überwacht den Betrieb und kann bei Verstössen Massnahmen ergreifen bis hin zum Entzug der Konzession. Der Bundesrat entscheidet auf Antrag der ESBK über die Vergabe von Konzessionen, und die Anforderungen sind hoch. Wer eine Spielbank betreiben will, muss nicht nur einen guten Ruf geniessen und über genügend Kapital verfügen, sondern auch ein umfassendes Sozialschutzkonzept vorweisen und strenge Massnahmen gegen Geldwäscherei implementieren.
Die Gespa, die bis Ende 2020 noch Comlot hiess, ist das Pendant für den Bereich der Lotterien und Sportwetten. Sie hat ihren Sitz in Bern und beschäftigt sich mit allem, was Grossspiele betrifft. Das umfasst die Bewilligung neuer Spiele, die laufende Aufsicht über die Anbieter und die Bekämpfung illegaler Aktivitäten. Im Jahr 2024 erteilte die Gespa den Schweizer Lotteriegesellschaften 55 Bewilligungen für neue Spiele und prüfte zahlreiche Gesuche für Spielveränderungen. Daneben führt sie die Sperrliste mit illegalen ausländischen Anbietern und fungiert als nationale Plattform zur Bekämpfung der Manipulation von Sportwettkämpfen.
Das Bundesamt für Justiz schliesslich ist für die Gesetzgebung im Geldspielbereich zuständig und übt die Oberaufsicht über den gesamten Vollzug aus. Es koordiniert die verschiedenen Akteure und stellt sicher, dass das Gesetz einheitlich angewandt wird. Auf seiner Website findet sich auch ein hilfreiches Merkblatt, das erklärt, welche Geldspiele in der Schweiz legal sind und welche Bewilligungen dafür erforderlich sind.
Die DNS-Sperren und ihre Wirksamkeit
Einer der umstrittensten Aspekte des Geldspielgesetzes sind die sogenannten Netzsperren, die seit Juli 2019 in Kraft sind. Dahinter steht die Idee, dass ausländische Online-Geldspielanbieter, die keine Schweizer Bewilligung haben, technisch daran gehindert werden sollen, ihre Dienste in der Schweiz anzubieten. Die Umsetzung erfolgt mittels DNS-Sperren, einer Methode, bei der die Internetprovider den Zugang zu bestimmten Webseiten blockieren.

Konkret funktioniert das so: Die ESBK und die Gespa führen jeweils eine Sperrliste mit Domainnamen, auf denen nicht autorisierte Geldspiele angeboten werden. Diese Listen werden regelmässig aktualisiert und im Bundesblatt veröffentlicht. Die schweizerischen Fernmeldedienstanbieter sind gesetzlich verpflichtet, den Zugang zu den auf diesen Listen aufgeführten Seiten zu sperren. Wer versucht, eine gesperrte Seite aufzurufen, wird auf eine Informationsseite weitergeleitet, die erklärt, dass das Angebot in der Schweiz nicht bewilligt ist.
Die Zahlen zeigen, dass die Behörden ihre Aufgabe ernst nehmen. Ende 2024 befanden sich allein auf der Sperrliste der Gespa 490 Domains. Im August 2025 erreichte die kombinierte Sperrliste beider Behörden einen neuen Rekordwert von 2597 gesperrten Domains. Diese Zahl wächst kontinuierlich, da immer wieder neue illegale Angebote auftauchen. Seit 2025 werden die Listen quartalsweise aktualisiert, um mit der schnellen Entwicklung im Internet Schritt zu halten.
Die Wirksamkeit dieser Sperren ist allerdings begrenzt, und das wissen auch die Behörden. Mit technischen Mitteln wie VPN-Diensten lassen sich die DNS-Sperren relativ einfach umgehen. Ein VPN verschlüsselt den Internetverkehr und leitet ihn über Server in anderen Ländern um, sodass die Sperre ins Leere läuft. Technisch versierte Nutzer haben daher kaum Schwierigkeiten, auf gesperrte Webseiten zuzugreifen. Das Bundesgericht hat 2022 allerdings bestätigt, dass die Netzsperren verfassungskonform sind und dass sie trotz ihrer begrenzten Wirksamkeit ein legitimes Mittel darstellen, um den Zugang zu illegalen Angeboten zu erschweren.
Spieler bleiben straffrei
Ein Punkt, der oft missverstanden wird, betrifft die rechtliche Situation der Spieler selbst. Das Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter von nicht bewilligten Geldspielen, nicht gegen deren Nutzer. Wer als Spielerin oder Spieler bei einem ausländischen Buchmacher wettet, dessen Webseite in der Schweiz gesperrt ist, macht sich nicht strafbar. Diese Klarstellung findet sich explizit in den offiziellen Erläuterungen zum Gesetz und wurde auch vom Bundesamt für Justiz bestätigt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Wetten bei nicht lizenzierten Anbietern ohne Risiko wäre. Der fehlende Rechtsschutz kann zum Problem werden, wenn es zu Streitigkeiten mit dem Anbieter kommt. Sollte ein Buchmacher die Auszahlung eines Gewinns verweigern oder ein Konto ohne nachvollziehbaren Grund sperren, hat der betroffene Spieler kaum Möglichkeiten, seine Ansprüche durchzusetzen. Der Gerichtsstand befindet sich bei den meisten ausländischen Anbietern in Kleinststaaten wie Malta oder Gibraltar, und die Kosten und der Aufwand für ein Verfahren dort stehen in keinem Verhältnis zu den üblichen Streitwerten.
Hinzu kommt die steuerliche Dimension. Während Gewinne bei den offiziellen Schweizer Anbietern bis zu einem Freibetrag von über einer Million Franken steuerfrei sind, müssen Gewinne bei ausländischen Buchmachern vollständig als Einkommen versteuert werden. Dieser Freibetrag gilt nicht, und wer seine Gewinne nicht in der Steuererklärung angibt, riskiert ein Steuerstrafverfahren. Die Schweiz ist bekannt dafür, Steuerhinterziehung konsequent zu verfolgen, und grössere Überweisungen von ausländischen Glücksspielanbietern auf Schweizer Bankkonten können durchaus die Aufmerksamkeit der Behörden erregen.
Die Rolle der Kantone
Das Geldspielgesetz weist den Kantonen eine wichtige Rolle zu, die über die blosse Aufsicht über Kleinspiele hinausgeht. Die Kantone sind verpflichtet, Massnahmen zur Prävention von exzessivem Geldspiel zu ergreifen und Beratungs- sowie Behandlungsangebote für spielsuchtgefährdete und spielsüchtige Personen bereitzustellen. Diese Pflicht gilt nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für deren Umfeld, etwa Familienangehörige, die unter den Folgen der Spielsucht leiden.
Die Umsetzung dieser Verpflichtungen variiert von Kanton zu Kanton, aber überall wurden Strukturen geschaffen, um dem Problem der Spielsucht zu begegnen. Die kantonalen Suchtfachstellen bieten Beratung und Unterstützung an, und es gibt spezialisierte Therapieangebote für Menschen mit problematischem Spielverhalten. Die Finanzierung dieser Angebote erfolgt teilweise aus den Erträgen des Geldspielsektors selbst, was eine gewisse Logik hat: Wer an den Gewinnen partizipiert, soll auch zur Bekämpfung der negativen Folgen beitragen.
Seit Anfang 2021 verfügen alle Kantone über eine angepasste Geldspielgesetzgebung, die den Vorgaben des Bundesgesetzes entspricht. Das war eine Übergangsfrist, die den Kantonen gewährt wurde, um ihre Regelungen zu aktualisieren. Die kantonalen Gesetze regeln vor allem die Kleinspiele, also Tombolas, kleine Pokerturniere und lokale Sportwetten. Sie legen fest, welche Behörde für die Bewilligungen zuständig ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie die Aufsicht organisiert wird.
Ein bemerkenswerter Fortschritt im Bereich des Spielerschutzes wurde Anfang 2025 erzielt, als ein Abkommen zwischen der Schweiz und Liechtenstein in Kraft trat. Dieses Abkommen ermöglicht den Austausch von Daten über gesperrte Spielerinnen und Spieler zwischen den beiden Ländern. Wer also in der Schweiz wegen problematischen Spielverhaltens gesperrt wurde, kann nicht einfach nach Liechtenstein ausweichen, um dort weiterzuspielen. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist ein wichtiger Schritt, und der Fachverband Sucht hat bereits gefordert, ähnliche Abkommen auch mit anderen Nachbarländern abzuschliessen.
Kritik und Reformbedarf
Das Geldspielgesetz ist nicht unumstritten, und auch nach mehreren Jahren seiner Anwendung gibt es Stimmen, die Verbesserungen fordern. Die Kritik kommt aus verschiedenen Richtungen und betrifft unterschiedliche Aspekte des Gesetzes.

Von wirtschaftsliberaler Seite wird bemängelt, dass die starke Regulierung den Wettbewerb behindert und den Konsumenten die Wahlfreiheit nimmt. Die Beschränkung auf zwei Anbieter im Bereich der Online-Sportwetten führe zu höheren Preisen und schlechteren Quoten, so das Argument. Im Vergleich zu internationalen Buchmachern bieten Sporttip und Jouez Sport tatsächlich oft niedrigere Quoten, was bedeutet, dass bei einem gewonnenen Tipp weniger ausgezahlt wird. Befürworter des bestehenden Systems entgegnen, dass diese Differenz der Preis für Sicherheit und Rechtssicherheit sei und dass die Erträge der Allgemeinheit zugutekommen.
Aus der Perspektive des Spielerschutzes wird hingegen kritisiert, dass die Prävention und Behandlung von Spielsucht noch nicht ausreichend finanziert und koordiniert seien. Der Fachverband Sucht beobachtet die Umsetzung des Gesetzes kritisch und fordert Nachbesserungen. Insbesondere die Wirksamkeit der Spielersperren und der Sozialschutzkonzepte wird hinterfragt. Die Tatsache, dass ausländische Anbieter trotz Sperren weiterhin erreichbar sind und keine vergleichbaren Schutzmassnahmen anbieten müssen, sehen Kritiker als Schwächung des gesamten Systems.
Auch die parallele Arbeit von ESBK und Gespa steht in der Kritik. Die beiden Behörden agieren auf unterschiedlichen Ebenen, die eine auf Bundesebene, die andere interkantonal, und ihre Sperrlisten überschneiden sich zum grossen Teil. Manche Experten halten diese Struktur für überflüssig und kostspielig. Die Verwaltung der gut 80 verschiedenen kantonalen Lotteriefonds verursacht nach Schätzungen jährliche Kosten von bis zu 20 Millionen Franken. Ob eine Zentralisierung sinnvoll wäre, ist allerdings umstritten, denn das föderalistische System hat in der Schweiz Tradition und ermöglicht massgeschneiderte Lösungen auf kantonaler Ebene.
Was das Gesetz für Sportwettenfans bedeutet
Für alle, die in der Schweiz auf Sport wetten möchten, schafft das Geldspielgesetz einen klaren Rahmen, der Chancen und Einschränkungen mit sich bringt. Die wichtigste Botschaft lautet: Legales Wetten ist möglich, aber es gibt nur wenige Anbieter, die dafür infrage kommen.
Sporttip und Jouez Sport sind die einzigen Anbieter, bei denen Schweizer Kunden ohne rechtliche Bedenken und mit allen steuerlichen Vorteilen wetten können. Das Angebot ist solide, wenn auch nicht so umfangreich wie bei grossen internationalen Buchmachern. Die wichtigsten Sportarten und Wettbewerbe sind abgedeckt, und die Quoten sind fair, wenn auch nicht spektakulär. Dafür bieten diese Anbieter die höchstmögliche Sicherheit: Im Streitfall greift Schweizer Recht, und die Aufsichtsbehörde kann als Vermittler eingeschaltet werden.
Wer bei ausländischen Anbietern wettet, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Strafbar macht man sich zwar nicht, aber man verzichtet auf wichtige Schutzrechte und muss Gewinne vollständig versteuern. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Die besseren Quoten und das breitere Angebot bei internationalen Buchmachern können attraktiv sein, aber die Risiken sollten nicht unterschätzt werden.
Internationale Einordnung und Vergleich
Die schweizerische Regulierung des Glücksspielmarktes nimmt international eine Sonderstellung ein. Während viele europäische Länder auf Liberalisierung und offene Märkte setzen, hält die Schweiz an einem restriktiven Modell fest, das den Markt weitgehend inländischen Anbietern vorbehält. Diese Entscheidung war bewusst getroffen und wird von der Mehrheit der Bevölkerung getragen, wie das deutliche Abstimmungsergebnis von 2018 zeigt.
Der Vergleich mit Deutschland ist besonders aufschlussreich. Dort trat 2021 der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft, der den Markt für private Sportwettenanbieter öffnete. Inzwischen sind dort dutzende Anbieter lizenziert, und der Wettbewerb ist entsprechend intensiv. Die Folge sind höhere Quoten für die Spieler und ein breiteres Angebot an Wettmärkten. Allerdings gibt es auch dort Kritik: Die 5,3-Prozent-Steuer auf den Einsatz verteuert das Wetten, und manche sehen den liberalisierten Markt als Einfallstor für problematisches Spielverhalten.
Österreich wiederum hat ein System, das zwischen dem schweizerischen und dem deutschen Modell liegt. Dort gibt es eine begrenzte Anzahl von Konzessionen, die an private Anbieter vergeben werden, aber der Markt ist wesentlich offener als in der Schweiz. Die Steuer auf Sportwetten wird vom Buchmacher getragen, nicht vom Spieler, was für die Kunden vorteilhaft ist.
Das schweizerische Modell wird international oft als Beispiel für eine sozial verantwortliche Glücksspielregulierung genannt. Die hohen Abgabesätze von bis zu 80 Prozent der Bruttospielerträge bei Spielbanken und die Zweckbindung der Gewinne an gemeinnützige Projekte sind in dieser Form selten. Kritiker entgegnen, dass ein solches System nur funktioniert, weil der Schwarzmarkt de facto toleriert wird und viele Spieler bei ausländischen Anbietern wetten, die sich den Abgaben entziehen.
Die Zukunft des Geldspielgesetzes
Wie jedes Gesetz wird auch das Geldspielgesetz regelmässig evaluiert und bei Bedarf angepasst. Die technologische Entwicklung stellt die Regulierung vor neue Herausforderungen. Blockchain-basierte Glücksspiele, Gamification-Elemente in Videospielen und die zunehmende Verschmelzung von Gaming und Gambling werfen Fragen auf, die bei der Verabschiedung des Gesetzes noch nicht absehbar waren.

Die Behörden haben bereits signalisiert, dass sie diese Entwicklungen aufmerksam verfolgen. Die Frage, ob etwa Lootboxen in Videospielen unter das Geldspielgesetz fallen, wurde in der Schweiz noch nicht abschliessend geklärt, obwohl es in der Fachliteratur bereits entsprechende Analysen gibt. In anderen Ländern, etwa in Belgien und den Niederlanden, wurden bestimmte Formen von Lootboxen als Glücksspiel eingestuft und entsprechend reguliert.
Auch die Wirksamkeit der Netzsperren wird laufend überprüft. Die Tatsache, dass die Sperrliste mittlerweile über 2500 Domains umfasst und ständig wächst, zeigt sowohl den Eifer der Behörden als auch die Grenzen des Instruments. Technisch versiertere Nutzer umgehen die Sperren problemlos, während weniger erfahrene Nutzer möglicherweise auf legale Angebote ausweichen. Ob dieser Effekt die Kosten und den Aufwand der Sperren rechtfertigt, ist umstritten.
Eine grundlegende Reform des Gesetzes ist derzeit nicht absehbar. Die politischen Mehrheiten, die 2018 das Gesetz unterstützten, bestehen weitgehend fort, und es gibt keine starke Lobby für eine Liberalisierung nach deutschem Vorbild. Die Schweiz wird also auch in den kommenden Jahren ihren Sonderweg fortsetzen und den Geldspielmarkt streng regulieren. Für Sportwettenfans bedeutet das, dass sich an den grundlegenden Spielregeln wenig ändern wird.
Praktische Konsequenzen verstehen
Wer sich in der Schweiz für Sportwetten interessiert, sollte die praktischen Konsequenzen des Geldspielgesetzes verstehen und bei seinen Entscheidungen berücksichtigen. Die Wahl zwischen einem legalen Schweizer Anbieter und einem ausländischen Buchmacher ist keine rein wirtschaftliche Entscheidung, sondern hat rechtliche und steuerliche Dimensionen.
Bei Sporttip und Jouez Sport wettet man auf sicherem Terrain. Die Anbieter unterliegen der Schweizer Aufsicht, die Spiele werden regelmässig kontrolliert, und im Streitfall stehen effektive Rechtsmittel zur Verfügung. Dazu kommt der grosszügige Steuerfreibetrag für Gewinne, der bei über einer Million Franken liegt. Für die allermeisten Hobbyspieler bedeutet das faktische Steuerfreiheit. Die Quoten mögen etwas niedriger sein als bei internationalen Anbietern, aber dieser Nachteil wird durch die Sicherheit und die steuerlichen Vorteile zumindest teilweise ausgeglichen.
Wer dennoch bei ausländischen Anbietern wetten möchte, sollte sich der Risiken bewusst sein. Die fehlende Rechtssicherheit kann zum Problem werden, wenn es Schwierigkeiten bei der Auszahlung gibt. Die steuerliche Behandlung der Gewinne ist deutlich ungünstiger, und wer seine Gewinne nicht korrekt deklariert, riskiert Ärger mit dem Finanzamt. Ausserdem gibt es keine Garantie, dass die Schutzkonzepte der ausländischen Anbieter den schweizerischen Standards entsprechen.
Das Geldspielgesetz ist ein typisch schweizerischer Kompromiss: Es erlaubt Glücksspiele, aber unter strenger Kontrolle und mit klaren Regeln. Es schützt die Spieler, vielleicht manchmal auch vor sich selbst, und es sorgt dafür, dass ein Teil der Erträge der Allgemeinheit zugutekommt. Ob man das als vorbildliche Regulierung oder als übertriebene Bevormundung sieht, hängt vom eigenen Standpunkt ab. Fest steht, dass sich die Spielregeln in absehbarer Zeit nicht grundlegend ändern werden und dass sich alle, die in der Schweiz wetten möchten, auf diesen Rahmen einstellen müssen.